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Noch einmal erlebt der Athlon ein Facelifting: Mit
neuem »Palomino«-Kern will AMD den Prozessor für
die Zukunft rüsten. Wir zeigen, was Anwender vom Athlon 4 erwarten
können.
Fakten, Fakten, Fakten
Wild war in den letzten Wochen über den Athlon-Nachfolger
»Palomino« spekuliert worden: Unterstützt der neue
Prozessor SSE? Wird AMD die Pipeline verlängern? Bleibt der
Cache gleich groß? Jetzt liegen die Fakten endlich auf dem
Tisch: Chip-Hersteller AMD hat am 15. Mai den lange erwarteten Athlon-Nachfolger
offiziell vorgestellt. Zwar wird der neue Prozessor zunächst
nur in einer Notebook-Variante produziert, doch bleiben der Kern
und somit auch die technischen Merkmale für den Desktop-Prozessor
im Wesentlichen gleich.
Der Palomino, von AMDs Marketing-Strategen provozierend Athlon 4
getauft, bietet im Vergleich zum Vorgänger Verbesserungen
im Detail. Keine komplett neue Architektur, keine längere Pipeline,
kein größerer Cache. Spektakulärste Neuerung ist
die neue, SSE-kompatible Recheneinheit des Athlon 4.
SSE ist eine Befehlssatz-Erweiterung, die bislang nur von Intel-Prozessoren
vollständig unterstützt wurde. Das Kürzel steht für
Streaming SIMD Extension, wobei SIMD wiederum Single Instruction
Multiple Data bedeutet. Vor allem Spiele profitieren von Befehlen,
die mehrere Ergebnisse auf einmal liefern. Solche Operationen helfen
zum Beispiel, Transparenz- und Beleuchtungseffekte schneller zu
berechnen. Erweiterungen wie SSE sind notwendig, weil der seit Jahren
verbindliche x86-Befehlssatz nicht einfach so verändert werden
kann. Neue Software würde auf alten Rechnern nicht mehr laufen,
die Kompatibilität würde verloren gehen. Damit Befehlssatz-Erweiterungen
tatsächlich die Rechengeschwindigkeit steigern, müssen
Programmierer die Software so optimieren, dass sie die neuen Befehle
auch tatsächlich nutzt sonst ist der Leistungsgewinn
praktisch gleich null. SSE ist seit mehreren Jahren bekannt, Intel
hatte die Multimedia-Einheit erstmals mit dem Pentium III eingeführt
und mit dem Pentium 4 den Nachfolge-Befehlssatz SSE2 präsentiert.
Aktuelle Spiele und Grafikkartentreiber profitieren von SSE; seit
dem 15. Mai auch dann, wenn sie auf einem AMD-Prozessor ablaufen.
52 neue Befehle
Im Detail hat AMD der älteren 3DNow-Erweiterung, die erstmals
beim K6-2 eingesetzt wurde, 52 neue Befehle spendiert. Das verwundert
zunächst, benutzt Intel doch beim Pentium III genau 70 SSE-Befehle.
Die Lösung ist einfach: AMD hatte schon mit der alten 3DNow-Erweiterung
18 SSE-Befehle adaptiert. Nun haben die Ingenieure beide Erweiterungen
zusammengeführt und das Ganze mit dem Namen 3D Now Professional
versehen. Die SSE-kompatible Einheit dürfte den größten
Anteil am Leistungssprung haben.
Offen wurde im Internet über eine mögliche »Hardware
Prefetch«-Technologie des Athlon 4 spekuliert. Und tatsächlich
hat AMD dem neuen Prozessor dieses Feature spendiert. Mit Hardware-Prefetching
kann der Prozessor Daten im Voraus in den Cache laden. Dabei ermittelt
die CPU mithilfe von ausgeklügelten Algorithmen und den jeweils
zuletzt erfolgten Speicherzugriffen, welche Daten in nächster
Zeit gebraucht werden könnten, und lädt sie automatisch
in den (L2-) Cache. Das funktioniert vor allem bei Programmschleifen,
die in bestimmten Intervallen auf dieselben Datenbestände zurückgreifen.
Bislang boten lediglich einige SSE- und 3DNow-Befehle Prefetch-Möglichkeiten.
Die Hardware-Lösung funktioniert dagegen mit jeder Software,
auch ohne ausdrückliche Unterstützung. Einen ganz ähnlichen
Mechanismus benutzt übrigens auch der Pentium 4.
Kosmetische Eingriffe
Auch der TLB kam unters Messer er wurde vergrößert
und ist jetzt exklusiv ausgelegt. Vereinfacht gesagt, funktioniert
dieser Translation Look-aside Buffer ähnlich wie ein
Cache. Nur werden im TLB keine Daten gespeichert, sondern Tabellen,
die von der MMU (Memory Management Unit) zur Umsetzung virtueller
in reale Speicheradressen benötigt werden. Die TLB-Änderung
ist mehr als kosmetischer Eingriff zu sehen, die Leistungssteigerung
dürfte kaum messbar sein. Was ist sonst noch neu? Der Athlon
4 besitzt erstmals einen Temperatursensor direkt im Prozessorkern.
Wenn der zu heiß wird, taktet sich der Prozessor automatisch
herunter oder schaltet sich ganz ab ein Segen für Übertakter
und hoffentlich das endgültige Ende von im wahrsten Sinne des
Wortes »abgerauchten« Prozessoren.
Im offiziellen Papier zum Athlon 4 legt AMD besonderen Wert auf
die Stromspartechnik Power Now, die schon vom mobilen K6
bekannt ist und für den Palomino verbessert wurde. »Schon
ohne Power Now«, so AMDs Pressesprecher Jan Gütter, »verbrauchen
Notebooks auf Basis des Athlon 4 bis zu 20 Prozent weniger Energie.
Doch mit PowerNow sollen die Akkus ohne Leistungsverlust noch einmal
um bis zu 30 Prozent länger arbeiten.« Prozessoren mit
Power Now können Taktfrequenz und Spannung dynamisch regeln;
wenn wenig Rechenleistung benötigt wird, arbeitet der Prozessor
nur mit »halber Kraft« und hilft somit, Energie zu sparen.
Die Desktop-Variante wird allerdings kein PowerNow haben.
Mehr Marktanteile erobern
AMD konzentriert sich bewusst auf den Notebook-Markt. Zwar konnten
die Kalifornier in den letzten Jahren ihren Marktanteil an Prozessoren
im Desktop- und Server- stetig ausbauen, doch im Notebook-Bereich
dominieren noch immer die Intel-Prozessoren. Jetzt soll der Athlon
4 mit günstigen Preisen und effizienter Rechenarchitektur auch
in diesen Markt vorstoßen. AMD liefert den mobilen Athlon
4 mit Taktraten von 850, 900, 950 und 1.000 MHz aus. Auch den Duron
gibt es mit neuer Technik. Der Prozessor heißt nach wie vor
schlicht Duron. Direktversender Compaq hat rechtzeitig zur Markteinführung
eines der ersten Athlon-4-Notebooks im Programm: Der Compaq Presario
1200 ist mit einem Ein-Gigahertz-Athlon-4 erhältlich. Die OEM-Preise
liegen bei 425 US-Dollar für den Athlon 4 1.000, 350 Dollar
(Athlon 4 950), 270 Dollar (Athlon 4 900) und 240 Dollar (Athlon
4 850). Die Athlon-4-Prozessoren werden auf Basis der AMD-0,18-Mikrometer-Kupferverdrahtungs-Technologie
in der Dresdener Fab 30 hergestellt. Alle mobilen Athlons arbeiten
mit 100 MHz FSB-Takt (DDR).
Der mobile Athlon 4 bietet einen Vorgeschmack auf die Leistung,
die Anwedner im dritten Quartal, vermutlich schon im August, erwarten
können. Mit der SSE-Unterstützung und Hardware-Prefetch
erwarten wir eine Leistungssteigerung in der Größenordnung
von 20 Prozent bei weiter steigenden Taktfrequenzen. Vorher wird
allerdings eine Server-Variante des Chips erscheinen, nach der offiziellen
Roadmap noch im zweiten Quartal dieses Jahres. Mit anderen Worten:
Der Prozessor kommt schon im Juni, wir werden im nächsten Heft
einen aktuellen Testbericht liefern. Mit dem Athlon 4 dürfte
AMD die Performance-Spitze der heutigen Athlon-Architektur erreicht
haben. Thoroughbred, der Athlon-4-Nachfolger, soll nächstes
Jahr im 0,13-Mikron-Prozess gefertigt werden und noch höhere
Taktraten ermöglichen.
| Prozessor
|
Athlon
Classic |
Athlon
Classic |
Athlon |
Athlon
4 mobil |
|
Codename |
K7 |
K75 |
Thunderbird |
Palomino |
|
FSB |
100
MHz DDR (EV6) |
100
MHz DDR (EV6) |
100,
133 MHz DDR (EV6) |
100
(133) MHz DDR (EV6) |
|
L1-Cache |
128
KByte |
128
KByte |
128
KByte |
128
KByte |
|
L2-Cache |
512
KByte |
512
KByte |
256
KByte |
256
KByte |
|
Spannung (Mittel) |
1,8
V |
1,8
V |
1,75
V |
1,2
– 1,4 V |
|
Die-Größe |
184
mm2 |
102
mm2 |
120
mm2 |
128
mm2 |
|
Transistoren |
22
Millionen |
22
Millionen |
37
Millionen |
37,5
Millionen |
|
Fertigungsprozess |
0,25
Mikron |
0,18
Mikron |
0,18
Mikron |
0,18
Mikron |
|
Befehlssatz-Erw. |
Enhanced
3DNow |
Enhanced
3DNow |
Enhanced
3DNow |
3DNow
Professionell |
|
Tabelle 1: Die
Athlon-Prozessoren in der Übersicht
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