MIDI / Wavetable
Jahrelang war der sogenannte MIDI-Klang nach dem General MIDI-Standard
(GM) für Soundkarten verbindlich. Töne und Klänge werden dabei von
der Soundkarte erzeugt, indem nicht der Ton selbst gespeichert wird,
sondern nur das Instrument, das ihn erzeugt und ein paar zusätzliche
Angaben. Die Soundkarte kennt nun 128 verschiedene Instrumente und
berechnet anhand der Parameter, wie zum Beispiel der Tonhöhe oder
Tonlänge, den endgültigen Ton. Das ermöglicht kleine, platzsparende
Musikdateien. Leider lässt die Qualität bei diesem Verfahren sehr
zu wünschen übrig, weshalb die Wavetable-Technik entwickelt wurde.
Hier werden (meist) 256 Beispiel-Klänge (Samples) auf der Karte
»eingebaut« und dann bei Bedarf variiert. Dieses Verfahren
liefert wesentlich überzeugendere Ergebnisse, wobei sich die Karten
aber beträchtlich unterscheiden.
![[Hinweis:]](../../_images/tip.gif) |
Kein Messinstrument
kann die Qualität erzeugter MIDI- und Wavetablesounds verlässlich
bestimmen. Überzeugen Sie sich daher selbst mit einer Hörprobe! |
Digitalqualität
Zusätzlich zu den oben schon angesprochenen »analogen«
Eigenschaften Linearität und Rauschen, sind aber auch die beiden
folgenden »digitalen« Faktoren maßgeblich: Voraussetzung
für eine möglichst natürliche und unverfälschte
Aufnahme und Wiedergabe sind dabei zwei Eigenschaften.
Zum einen ist das die Abtastrate: Für einen Klang in CD-Qualität
sind mindestens 44,1 kHz erforderlich - für die Aufnahme von
DVD-kompatiblen Klängen mindestens 48kHz sowie für Musikproduktion
zusätzlich auch 31 kHz (Consumer-DAT-Format) und 96 kHz (neuere
Studiowandler).
Zum anderen muss die Abtasttiefe mindestens 16 bit betragen - für
gute Aufnahmen mindestens 20 Bit. Als Minimalstandard kann insgesamt
das CD-Format 44,1kHz mit 16 Bit angesehen werden. Jede halbwegs
moderne Soundkarte erfüllt diese Bedingungen leicht. Praktisch
braucht man aber für die Aufnahme mindestens 20 Bit - da man
nicht auf exakt 0 dB - Vollaussteuerung aufnehmen kann/sollte. Eine
»Musikaufnahmekarte« unterstützt also mindestens
20 Bit mit 44 kHz.
Einige bieten sogar bereits 24 Bit Auflösung an, wobei aber
bei manchen preiswerten Systemen lustigerweise nur 24-Bit-kompatible
Daten abgegeben werden und tatsächlich 20-Bit-AD-Wandler die
Arbeit tun. Allerdings bieten auch bei besten Wandlern 24 Bit ganz
generell einen viel größeren Headroom (Qualitätsreserve
bei der Auflösung) als die Karten dann im Bezug auf Linearität
und Rauschen liefern. So kam es zum Beispiel, dass ein Anbieter
eine 8-Kanal-Steckkarte mit 16 Bit und 44 kHz im Programm hatte,
die in der Güte letztlich besser war, als die der bekannteren
Konkurrenz , die 24 Bit / 48 kHz aufwies. Letztere hatte Rauschwerte
um -85 dB - die vermeintlich einfachere (und sogar etwas billigere
Karte) hatte -90 dB Rauschen. (16 Bit bergen übrigens etwa
96 dB Dynamik - d.h. bei Karten, die mit -80 dB Rauschen, ist das
letzte Bit bereits »versiebt«, 24 Bit bringen nicht
mehr Qualität.
Auch die Aufnahme mit 48kHz hat gegenüber 44kHz nicht viel
Sinn, wenn das Ziel eine 44kHz Produktion ist (CD). Mehr dazu im
Audiomaster bei Solastudio.
Anschlüsse
Im Normalfall besitzt eine typische Soundkarte einen Stereoausgang
als 3,5-mm-Klinkenbuchse oder einen Stereoausgang als 2 Cynchbuchsen
(rot-weiss). Häufig gibt es auch einen verstärkten (niederohmigen)
- und einen unverstärkten (Line) Ausgang. An den verstärkten
Eingang kann direkt ein Kopfhörer angeschlossen werden. In
seltenen Fällen bietetet der Ausgang sogar einen Leistungsverstärker
für kleine passive Boxen. An den Line-Ausgang werden wird eine
Stereoanlage oder die üblichen aktiven PC-Lautsprecher mit
eingebauten Verstärker angeschlossen.
Moderne PC-Audiokarten haben noch 2 oder 4 weitere Ausgänge
für Quadrophonie oder Surround 5.1 - Betrieb. Als Eingänge
müssen mindestens ein Mikrofoneingang und ein normaler
Line-In-Eingang vorhanden sein. Allerdings darf man von dem
Mikrofoneingang nicht viel erwarten: Dieser ist nur zweiadrig (und
damit anders als ein Studiomikrofon nicht abgeschirmt) und zudem
dem Elektrosmog des Rechners unterworfen. Wer professionelle Sprachaufnahmen
machen möchte, der sollte sich ein kleines Analog-Mischpult
mit XLR-Eingang sowie ein dynamisches Mikrofon mit XLR-Buchse zulegen.
Das Mischpult kommt dann an den Line-Eingang. Damit erhält
man weitestgehend rauschfreie Aufnahmen und kann gute Mikros nutzen.
Wichtig ist, dass einige PC-Mikrofone eine externe Stromspeisung
brauchen, die sie dann von der mitgelieferten Karte beziehen. So
erklärt es sich, dass manche (Kondensator-) Mikrofone mit anderen
Karten nicht funktionieren.
Bessere Karten - vor allem die so genannten Recordingkarten - besitzen
keine kleinen 3,5-mm-Klinkenbuchsen. Sie verwenden nur die großen
6,3-mm-Klinkenbuchsen für Stereokanäle und vor allem für
den Kopfhöhrer. Sehr verbreitet ist dort generell die Verwendung
von Cinch-Buchsen.
Achtung: Es gibt analoge und digitale Schnittstellen, die über
solche Buchsen laufen!
Analoge Buchsen bieten je einen Kanal (z.B. links und rechts) und
tauchen daher, wie oben beschreiben, oft paarweise auf. Sie werden
für Ein- und Ausgänge verwendet und genauso angeschlossen
wie die Pendants bei Stereoanlagen und Stereobausteinen.
Es gibt aber auch noch Cinchbuchsen für Digitalsignale: Abgesehen
von Spezialkarten, die dort einen Takt ausgeben können, haben
diese alle SPDIF-Format und tragen 2 Kanäle (Stereo-In oder
-Out). Das SPDIF-Format kann bei einigen Karten auch optisch eingespeist
werden. Dazu stehen dann schwarze TOS-Stecker zur Verfügung.
Diese finden sich auch an DAT-Recordern, elektronischen Musikinstrumenten
und speziellem Audioequipment (teilweise auch 8-kanalig ->ADAT).
Manche normalen Stereoanlagen-CD-Spieler haben einen solchen optischen
Digitalausgang, mit dem man so CDs direkt überspielen kann
Profi-CD-Geräte werden mitunter auch an Recordingkarten angeschlossen.
Das normale Computer-CD-ROM-Laufwerk wird über ein spezielles
mitgeliefertes, internes Kabel mit der Soundkarte verbunden. Dabei
wird das analoge Audiosignal in den Analogpfad der Soundkarte eingespeist.
Bei guten Karten wird aber schon das elektrische Signal direkt in
die Soundkarte digital eingespeisst. Dabei entsteht kein Wandlungsverlust
mehr. In manchen Fällen geschieht dies sogar schon mit einem
internen, optischen Kabel.
Profi-Karten besitzen fast nur noch SP/DIF-Eingänge, mit denen
verlustfreie Datenübertragung über Glasfaser- oder Cinchkabel
möglich ist.
Wie schon erwähnt, kann an jede Soundkarte auch ein Joystick
oder ein Gamepad angeschlossen werden. Hierbei sollten Sie beachten,
dass gerade ältere Modelle auf dem langsamen ISA-Bus mit der
Funktionsvielfalt moderner Eingabegeräte - zum Beispiel Lenkrädern
- hoffnungslos überfordert sind und die Leistungsfähigkeit
des Rechners bei Spielen bremsen.
Externe Musikgeräte wie Synthesizer werden auf mehrere Arten
verbunden: An den Gameport (meist über einen speziellen Adapter
an dem Anschluss für Joysticks) kann oft ein Midikabel angeschlossen
werden, mit dem MIDI-Daten aufgenommen und wiedergegeben werden
können. Bessere Karten - vor allem die oben schon erwähnten
Recordingkarten - besitzen schon spezielle MIDI-Buchsen (5pol DIN).
In der Regel haben elektronische Instrumente einen Stereo-Line-Ausgang
(2x Mono 6,5 Klinke) die an den Line-Input des Soundkarte passen.
Moderne Profigeräte besitzen aber auch hier schon die SPDIF-Ausgänge
(cinch) oder das ADAT-Format (optisch). Bei einigen ganz moderen
Chips kann man die Anschlüsse umprogrammieren: Statt eines
digitalen Ausgangs bietet zum Beispiel ein Creative-Chip einen weiteren
Stereoausgang für Raumklang.
3D-Sound
Moderne Spiele verwenden 3D-Sound, um die akustische Kulisse noch
authentischer wirken zu lassen. So lässt sich zum Beispiel
bei einem Rennspiel gut simulieren, wie der Lärm mancher Autos
»von hinten« kommt, während der Boxenfunk von vorne
zu kommen scheint.
Auch für Nicht-Spieler ist 3D-Sound attrakativ: Denn damit
lassen sich für jedes Lied Klangumgebungen auswählen.
Tatsächlich werden die Effekte so raffiniert gemischt, dass
der räumliche Eindruck eines Konzertsaales oder eines Live-Konzertes
entsteht.
Für die Umsetzung von 3D-Sound gibt es zwei ehemals konkurrierende
Standards: EAX und A3D. EAX wurde von Creative entwicklet,
A3D von Aureal. Creative hat Aureal mittlerweile übernommen,
so dass es de facto nur noch einen Standard gibt.
Beide Standards funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip.
Von einem Spiel werden über DirectX nur noch ein paar Objektkoordinaten
übermittelt, die Soundkarte errechnet daraus anhand zahlreicher
Soundbibliotheken den räumlichen Klang. Bei guter Programmierung
wird dabei der Prozessor nicht oder nur kaum belastet.
![[Tipp:]](../../_images/tip.gif) |
Achten Sie darauf, dass die Soundkarte 3D-Sound über EAX
und A3D unterstützt |
Um optimalen Raumklang zu erreichen, sollte ein passendes Surround-Lautsprecher-System
am PC angeschlossen sein. Man unterscheidet nach der Anzahl der
Boxen ein 4.1 oder ein 5.1-Lautsprechersystem. Ein
4.1-System besitzt vier Lautsprecher (vorne links/rechts, hinten
links/rechts) und einen Subwoofer für die Bässe, ein 5.1
System fünf Lautsprecher (Satelliten für vorne links/rechts,
hinten links/rechts und einen Center-Kanal) und einen Subwoofer.
Mit beiden Systemen ist 3D-Sound in Spielen möglich.
Schwieriger wird es bei der DVD-Wiedergabe. Bei DVD-Filmen nach
dem Dolby Digital-Standard sind insgesamt sechs Kanäle
definiert: Vorne links/rechts, hinten links/rechts, Center und Subwoofer.
Solche DVDs brauchen nach der Zahl der Kanäle logischerweise
ein 5.1-Lautsprechersystem, das für die sechs Kanäle jeweils
einen Lautsprecher zu bieten hat. Man kann die Filme auch über
ein 4.1-System abspielen lassen, doch werden die sechs Kanäle
dabei per Software auf ein aufpoliertes Stereosignal umgerechnet,
ein großer Teil des Klangerlebnis geht verloren.
![[Tipp:]](../../_images/tip.gif) |
Um 3D-Sound erleben zu können, sollte ein 5.1-Lautsprechersystem
am PC hängen. Wer keine DVDs nutzt, kann auch zu einem
4.1-System greifen |
Software
Anspruchsvolle Software zum Bearbeiten von Klangdateien und professionelleren
Aufgaben kann man erst bei Karten über 300 Mark erwarten. Bei günstigeren
Karten wird teilweise ganz auf entsprechende Programme verzichtet;
man muss dann auf Alternativen aus der Shareware-Szene ausweichen,
die bei einer Registrierung den günstigeren Kaufpreis schnell wieder
aufwiegen.
Inzwischen stehen aber mit Goldwave und CoolEdit zwei leistungsstarke
Audioeditoren und mit Logic Audio LE und anderen sogar preiswerte
Mehrspursoftwaresysteme zur Verfügung. Der weltbekannte Anbieter
für professionelle Audiotechnik Digidesign bietet sogar eine
kostenlose Version seines Paketes »Protools« zum Download
an. Hiermit kann man richtig professionell Musik produzieren.
![[Hinweis:]](../../_images/tip.gif) |
Viele Soundkarten
enthalten unzureichende oder gar keine Programme zur Bearbeitung
von Musikdateien |
Sonstiges
Wichtiger ist vielmehr eine softwaremäßige Klangregelung,
um Höhen und Tiefen ausgleichen zu können. Schließlich muss die
Karte unbedingt Voll-Duplex-fähig sein. Das bedeutet, dass gleichzeitige
Aufnahme und Wiedergabe möglich ist, was z.B. essentiell fürs Telefonieren
über das Internet ist, das zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Checkliste
- EAX -und A3D-fähig
- Soundblaster-, Sounblaster16- und Soundblaster Pro-kompatibel
- DirectX- kompatibel
- General MIDI- kompatibel
- Vollduplex- fähig
- Klirrfaktor bei etwa 0,1 %; guter Frequenzgang; Rauschpegel
über 75 dB
- min. 44,1 kHz Samplingrate / 16 bit Abtasttiefe
- Möglichkeit der Klangregelung
Kommentar und Kauftipps
Erschrecken Sie nicht bei der Unzahl von Fachbegriffen, Zahlen
und Standards. Für den normalen Anwender reichen die Soundkarten
im unteren und mittleren Marktsegment vollkommen aus. Jede Karte
beherrscht die gängigsten Funktionen und besitzt die wichtigsten
Anschlüsse; leider lassen die mitgelieferten Programme zur Musikbearbeitung
zu Wünschen übrig. Es stehen jedoch viele leistungsfähige Alternativen
auf dem Share- und Freewaremarkt bereit.
Der ISA-Bus wird bald aussterben. Heutige Hauptplatinen sind größtenteils
nur noch mit einem ISA-Slot ausgestattet, zukünftige - Intel hat
das bereits angekündigt - werden völlig darauf verzichten. Auf einer
solchen Platine ohne passenden Slot kann eine ISA-Soundkarte nicht
verwendet werden.
Folglich sollten Sie ein PCI-Soundkarte wählen. Fast alle besseren
Karten (ab etwa 100 Mark) beherrschen auch die populären 3D-Standards
EAX und A3D.
Wenn Sie Musik-CDs brennen wollen, beachten Sie, dass Sie neben
guter Brennsoftware auch eine schnelle und ausreichend große Festplatte
besitzen (Mehr unter Festplatten und CD-ROM-Laufwerke).
Fortgeschrittene und Profis müssen sich zwangsläufig nach oben orientieren
und etwas mehr investieren. Ab 400 Mark sind sehr gute Soundkarten
zu haben. Greifen Sie zu einer PCI-Karte, die mit ausreichend Speicher
bestückt ist. Achten Sie auf ausreichende (digitale) Ein- und Ausgänge.
Für alle Anwender ist es außerdem unbedingt notwendig, dass der
Soundkartenhersteller regelmäßige Treiber-Updates anbietet.
PC-Tipps empfiehlt
|
Modell
|
Preis
|
Grund
|
|
Sounblaster Live 1024
|
ca 100 Mark
|
günstige Allround-Karte
|
|
Guillemot Muse
|
ca. 70 Mark
|
sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
|
|
Videologic Sonicfury
|
ca. 250 Mark
|
günstige Profi-Karte
|
|
Erfahrungen mit Soundkarten bei dooyoo.de
|