Komplettsysteme

Sie sind hier: PC-Tipps > PC-Kaufberater > Komplett-PCs



Der einfachste und bequemste Weg zu einem neuen Computer zu kommen, ist wohl der Kauf eines Komplett-PCs - das wissen aber auch die Hersteller. Grund genug, den Versprechungen und versteckten Fallen einmal auf den Grund zu gehen.



Auf dieser Seite:

Nie alleine kaufen
Welcher PC?
Angebot durchleuchtet

 Einsteiger: Niemals alleine kaufen!

Die Entscheidung ist gefallen, ein neuer PC muss her. Also geht man ins Geschäft und kauft einen, oder? Wer von Computern noch wenig weiß, hat hier bereits den ersten Fehler gemacht.

Häufig besteht das »qualifizierte Fachpersonal« in Elektronikhäusern aus drei Studenten im 14. Semester, die von Computern mal was von einem Informatiker gehört haben.

Daher sollten Einsteiger unbedingt beim PC-Händler ihres Vertrauens kaufen oder einen Fachmann aus dem Bekanntenkreis zu Rate ziehen - aber bitte nur einen! Wer nämlich fünf Leute um Rat fragt, bekommt auch fünf verschiedene Antworten.




 Welchen PC kaufen?

Gewöhnlich hängt die Wahl des PCs von einem vorgegebenen Preisrahmen ab. Selbst wenn der finanzielle Spielraum sehr eng ist, offenbart sich dem Käufer eine unüberschaubare Anzahl von verschiedenen Systemen.

Der Preis eines Komplettsystems hängt entscheidend von dem eingebauten Prozessor ab. Lesen Sie daher bitte die Prozessorseite. Auch wenn Sie vielleicht nicht alles verstehen, so geben Ihnen die Seiten doch einen ersten Überblick, worin sich die Computer in erster Linie unterscheiden.

Wenn Sie dann über die grundliegenden Vor- und Nachteile von Intel-, AMD- und anderen Prozessoren Bescheid wissen, lassen sich die Angebote schon wesentlich besser aussortieren.



Schwachpunkte eines Komplett-PCs

Wir wollen uns eine Anzeige, wie sie in jedem beliebigen Prospekt stehen könnte, einmal näher ansehen. Die Schwachpunkte, die wir aufdecken werden, treten so oder so ähnlich bei (fast) jedem Komplettsystem auf.

Lesen Sie die Beschreibung aufmerksam durch. Der Preis mag ihnen zu hoch erscheinen, er war damals aber wirklich günstig.


[Zeitungsanzeige]

Klingt gut, oder? Fangen wir aber oben an:



Prozessor

Celeron-Prozessoren waren früher Garanten für ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Heute gilt das leider nicht mehr. Wenn es schon Intel sein muss, dann sollte wenigstens ein vollwertiger Pentium III im Rechner stecken. Für deutlich weniger Geld gibt's von Erzrivale AMD einen Duron, der nicht nur schneller, sondern auch günstiger als der Celeron ist.



Speicher

»64 MB Arbeitsspeicher - das dürfte für die meisten Anwendungen genügen«, werden viele Käufer denken. Richtig. Aber um welchen Speicher handelt es sich?

Wieder stellt sich heraus, dass nicht nur »veralteter« PC66-Speicher verwendet wurde, sondern auch zwei Module je 32 MB statt eines mit 64 MB.
Nachteil von PC66-Speicher: Er kann bei einer Aufrüstung auf ein 100 MHz-System (z.B. Pentium III) nicht weiterverwendet werden, Nachteil mehrerer Module: Bei einem Speicherausbau ist eventuell kein Steckplatz mehr frei, der PC kann also nicht ohne weiteres mit Speicher aufgerüstet werden.

Übrigens sollten bei jedem Celeron-PC sofort die Alarmglocken schrillen: Fast immer wird langsamer PC66-Speicher verwendet (genaue Erklärung auf der Speicherseite)



Grafikkarte

Ja, eine AGP-Karte ist schon drin. Nur taugt die bestenfalls zu einem »Solitär«-Spielchen. Bei flotten 3D-Action-Spielen ist die Karte glatt überfordert. Wer Spielspaß erleben will, kommt um die Anschaffung einer neuen 3D-Grafikkarte nicht herum. Ganz zu schweigen von dem Austausch, den sich sicher nicht alle Einsteiger zutrauen.

Der Super-GAU tritt jedoch dann ein, wenn ein Komplett-PC überhaupt keinen AGP-Steckplatz hat, etwa dann, wenn die Grafikkarte auf der Hauptplatine integriert ist. Ein solches System ist veraltet, bevor Sie es ausgepackt haben !


[Achtung!] Kaufen Sie niemals einen Komplett-PC ohne AGP-Steckplatz!



Monitor

Glauben Sie nicht, dass Sie bei einem Komplettsystem aus der Hand von einem Hersteller einen hochwertigen Monitor bekommen.
Hier wird das allereinfachste Modell mit eingepackt - hauptsache es ist billig und in der Anzeige steht »17-Zoll«.
Solche »Flimmerkisten« verdienen diese Bezeichnung; sie sind unscharf, haben eine schrecklich verschobene Bildgeometrie und lassen sich bestenfalls in 800x600 auflösen.
Mann kann solche Bildschirme nicht einmal als bessere 15-Zoll-Monitore bezeichnen - die liefern eine schärfere Darstellung. Da hilft auch das »TCO«-Strahlungssiegel nicht mehr - wenn die Grenzwerte überhaupt erfüllt werden.

Lassen Sie sich vom Verkäufer keinen Mist erzählen. Diese Bildschirme können sie vergessen.



Hauptplatine

Hierzu finden wir überhaupt keine Angabe in der Anzeige. Die Lösung: Es war eine Platine mit dem nicht mehr zeitgemäßen LX-Chipsatz, was bedeutet, dass der PC später schlecht aufgrüstet werden kann.

Vielfach finden sich bei Komplettsystemen »Spar-Hauptplatinen«, die entweder nur sehr wenige Slots oder nur zwei Speicherbänke besitzen. Zu allem Überfluß können manchmal Plätze wegen unkluger Bauweise nicht genutzt werden. Das trifft besonders auf die beliebten ALDI- und NORMA-PCs zu.



Tastatur und Maus

Gut, ein Punkt für den PC: Maus und Tastatur sind noch lange nicht selbstverständlich bei Komplett-PCs. Viele Computer können noch einmal 50 Mark billiger angeboten werden, wenn auf Maus und Tastatur verzichtet wird. Eine oft und gerne praktizierte Rationalisierungsmaßnahme. Fragen Sie nach!



Software

Auch in Ordnung. Wenigstens ist Windows 98 dabei. Viele Hersteller legen ihrem Modell aber nur ein Not-Betriebssystem wie zum Beispiel »IBM-PC DOS« bei.
Solche Betriebssysteme stammen aus der Steinzeit und sind die Disketten nicht wert, auf denen sie gespeichert sind. Wieder gilt: Nachfragen!
Das »Star Office«-Paket können sie getrost vergessen. Nicht, weil es schlecht wäre, sondern weil es umsonst aus dem Internet heruntergeladen werden kann.



Sonstiges

Immerhin wird der PC in einem modernen ATX-Gehäuse ausgeliefert. Leider nur im »Mini-Tower«. Das lässt auf ein leistungsschwaches Netzteil schließen. Wird später ein CD-Brenner eingebaut, kann es passieren, dass das Netzteil überfordert ist, und der Rechner nicht mehr richtig funktioniert.
Es sollte schon ein Midi-Tower sein, natürlich in ATX-Format (Details auf der Hauptplatinen-Seite)

Eine Soundkarte ist zwar dabei, wahrscheinlich aber in ISA-Ausführung (Kosten: 15 DM), das CD-ROM-Laufwerk und die Festplatte sind in Ordnung.



Liefer- oder Absatzprobleme?

Ja, wer will das schon, Verantwortung übernehmen. Also wird auch nicht garantiert, dass der PC überhaupt lieferbar ist.

Wer kaufen will, bekommt vom Verkäufer zu hören, dass das Modell »sofort vergriffen war.«

Wie zufällig steht dann ein »ganz ähnlicher PC, nur viel schneller und besser« gleich im Regal - dummerweise 600 Mark teurer.

Oder ist es nur ein Bluff der Werbeagentur, um die Kunden mit einem lahmen Angebot schnell unter Druck zu setzen?



Leerer PC?

Wenn dem Interessent das Lachen immer noch nicht vergangen ist, kann er über die Bemerkung links unten schmunzeln.
Aber ehrlich: Ob mit oder ohne Inhalt, das spielt bei dieser Gurke wirklich keine Rolle mehr...






20.05.2001 * © 1998-2001 Christian Gögelein * Homepage: http://www.pc-tipps.de * Kontakt: webmaster@pc-tipps.de

Verwendung des Inhalts - auch auszugsweise - nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors